Landtag verabschiedet sich in die Sommerpause
Landtag verabschiedet sich in die Sommerpause - Rot-Grün bringt
weitere Reformen auf den Weg - FDP mit Kritik an Opel-Hilfe isoliert
--Von Martin Teigeler--
Düsseldorf (ddp-nrw). Mit dem Abschluss der Plenarsitzung vom
Freitag hat sich der Düsseldorfer Landtag in die parlamentarische
Sommerpause verabschiedet. Die nächste Sitzung des Parlaments findet
nach Angaben eines Landtagssprechers am 15. September statt.
Nach einem turbulenten Halbjahr mit den Landtagswahlen vom 9. Mai,
anschließenden wochenlangen Sondierungsrunden der Parteien und der
Wahl von Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) zur neuen
Regierungschefin am Mittwoch ruht nun in den nächsten Wochen der
Politikbetrieb. Während die meisten Abgeordneten jetzt in die Ferien
fahren, arbeiten die neuen Regierungsmitglieder sich zunächst mal
ein. Wie aus rot-grünen Koalitionskreisen verlautete, machen etliche
Minister deshalb erst später Sommerurlaub.
Im Landtag brachte die neue rot-grüne Minderheitskoalition am
Freitag weitere Reformvorhaben auf den Weg. So soll die Mitbestimmung
im öffentlichen Dienst wieder ausgebaut werden. Da die Linke sich
enthielt, fand der Antrag von SPD und Grünen eine Mehrheit. Auch beim
geplanten Ausbau der Kita-Betreuung ermöglichte die Linksfraktion SPD
und Grünen einen Erfolg. Entscheidungen über rot-grüne Gesetze wird
es jedoch erst im Herbst geben.
CDU und FDP kritisierten die neue Regierung. So schlecht wie
Rot-Grün sei noch nie eine Regierung in Nordrhein-Westfalen
gestartet, sagte der ehemalige Integrationsminister und jetzige erste
stellvertretende CDU-Fraktionschef Armin Laschet. SPD und Grüne
hätten am Donnerstag auf eine Abstimmung über die Studiengebühren
verzichtet, weil sie ansonsten sofort eine Niederlage im Parlament
hätten hinnehmen müssen. Sozialdemokraten und Grüne hatten zusammen
mit der Linken beschlossen, die Frage des Zeitpunkts der Abschaffung
der Gebühren zunächst in den Ausschüssen zu beraten.
«Schwarz-Gelb hat NRW gut getan», sagte der ehemalige
Wissenschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP). Die geplante höhere
Neuverschuldung nannte er «verantwortungslos».
Redner von Rot-Grün wiesen die Kritik zurück. Es bringe doch
nichts, jetzt Nachhutgefechte zum Wahlkampf zu führen, sagte der neue
SPD-Fraktionschef Norbert Römer. CDU und FDP sollten selbstkritisch
bilanzieren, warum sich die Wähler für einen «Politikwechsel»
entschieden hätten. Der Grünen-Fraktionsvorsitzende Reiner Priggen
räumte angesichts der unklaren Mehrheitsverhältnisse im Landtag einen
«holprigen» Start ein. Dennoch müssten Christ- und Freidemokraten
einsehen, dass sie bereits nach fünf Jahren an der Macht wieder auf
die Oppositionsbänke geschickt worden seien.
Die oppositionelle FDP ist mit ihrem strikten Nein zu etwaigen
Staatshilfen für den Autobauer Opel isoliert. Eine ganz große
Opel-Koalition aus CDU, SPD, Grünen und Linker schloss im Parlament
neue Bürgschaften in zukünftigen Notfällen nicht aus. Opel hat auch
eine Fabrik in Bochum.
Römer wurde am Freitag zum neuen SPD-Fraktionschef im Landtag
gewählt. Bei 65 abgegebenen Stimmen votierten nach Angaben eines
Fraktionssprechers 63 Abgeordnete für den Bergbau-Gewerkschafter aus
Castrop-Rauxel. Es gab eine Nein-Stimme und eine Enthaltung. Römer
ist Nachfolger der bisherigen Fraktionschefin Kraft. Der 63-Jährige
ist auch Schatzmeister der NRW-SPD und Vorsitzender der mächtigen
SPD-Region Westliches Westfalen.





