PINKWART-Interview für die „Rheinische Post“
Düsseldorf. Der stellvertretende FDP-Bundesvorsitzende und Landesvorsitzende der FDP-NRW, Andreas Pinkwart, gab der „Rheinischen Post“ (heutige Ausgabe) das folgende Interview. Die Fragen stellte Detlev Hüwel:
Herr Pinkwart, die FDP pocht auf eine neue Schulform - die Regionale Mittelschule. Warum eigentlich?
Pinkwart: Wir müssen das Schulsystem weiterentwickeln, weil die Schülerzahlen dauerhaft zurückgehen und sich der Elternwille wandelt. Darauf müssen wir eine Antwort finden. Wir wollen für unterschiedliche Begabungen ein differenziertes Angebot bereithalten und lehnen auch deswegen die Einheitsschule strikt ab, in der alle Kinder und Jugendlichen bis zur zehnten Klasse unterrichtet würden.
Mittelschule bedeutet die Zusammenfassung von Haupt-, Real- und Gesamtschule. Das klingt aber irgendwie auch nach Einheitsschule.
Pinkwart: Nein. Absolut nicht. Wir wollen weiter ein plurales Angebot. Im Gegensatz zu SPD und Grünen wollen wir das Gymnasium stärken und nicht abschaffen. Eine Mittelschule soll dort eingerichtet werden, wo Schulträger und Eltern dies wünschen und die Schülerzahlen das zulassen - in ländlichen Regionen ebenso wie in Ballungsräumen.
Und die Hauptschule?
Pinkwart: Die wird trotz aller Anstrengungen nicht mehr so nachgefragt. Wir stellen sie aber nicht grundsätzlich in Frage. Es kann durchaus weiter Haupt- und Realschulen geben.
Die CDU ist einverstanden mit Verbundschulen, also der Zusammenlegung von Haupt- und Realschule unter einem Dach, aber bei Trennung der Schulzweige.
Pinkwart: Die Verbundschule ist nur eine Übergangsform. Mit unserem Modell bauen wir eine Brücke und verhindern zugleich einen Bildungskrieg wie in Hamburg mit Schwarz-Grün. Den wollen wir nicht. Den würde es aber geben, wenn SPD, Grüne und Linke ihre Vorstellungen durchsetzen könnten.
Ihr Reformkonzept läuft auf ein Zwei-Säulen-Modell hinaus.
Pinkwart: Das ist die Perspektive. Neben dem Gymnasium hätten wir dann eine Schulform mit starker beruflich-praktischer Orientierung. Dabei würden die Schüler in der Mittelschule individueller gefördert und es besteht immer eine Durchlässigkeit nach oben. Keine Schulform darf eine Sackgasse werden.
Was müsste geschehen?
Pinkwart: An den Mittelschulen muss es nach gemeinsamen Eingangsklassen eine Differenzierung geben. Es muss dort möglich sein, sowohl den Haupt- als auch den Realschulabschluss zu erlangen oder sich für die allgemeine Hochschulreife vorzubereiten.
Soll die Grundschulzeit verlängert werden?
Pinkwart: Nein, davon halte ich nichts. Man darf Kinder sicher nicht überfordern, man darf sie aber auch nicht unterfordern. Vier Jahre Grundschule reichen aus, zumal sich die Erprobungsstufe in den Klassen fünf und sechs anschließt.
Verbürgen Sie sich dafür, dass tatsächlich mehr als 8000 neue Lehrerstellen in NRW geschaffen wurden?
Pinkwart: Ja, ich habe keinen Grund, daran zu zweifeln.
NRW hat den Hochschulen mehr Spielraum gegeben. Das heißt aber auch, dass ein Professor, der von Bochum nach Bielefeld wechselt, eine neue Gesundheitsprüfung machen muss. Ist das nicht sehr bürokratisch?
Pinkwart: Überhaupt nicht. Wir sind deutlich schneller geworden bei der Berufung von Professoren. Die Hochschulen können jetzt über ihr Personal selbst entscheiden und strategisch ihre Professoren auswählen. Wir können jetzt leichter gute Leute von Yale oder Harvard nach Nordrhein-Westfalen holen.
Nun braucht NRW braucht auch Spitzen-Studenten aus dem Ausland. Sie haben vorgeschlagen, wohlhabende Studenten von außerhalb der EU stärker zur Kasse zu bitten.
Pinkwart: Für die besten Studenten der Welt sind Studienbeiträge auch ein Qualitätskriterium. Zugleich brauchen sie aber die Chance, ein Stipendium zu bekommen. Deswegen müssen wir besonders guten ausländischen Studenten Stipendien in Aussicht stellen.
In Süddeutschland drängen sich die Elite-Unis, in NRW herrscht viel Mittelmaß. Wie ist das zu ändern?
Pinkwart: Wir haben die dichteste Hochschullandschaft in Europa, aber noch nicht die beste. Wir haben in den letzten fünf Jahren vieles verbessern können und bei der letzten Exzellenzinitiative Bayern eingeholt, Baden-Württemberg ist aber noch deutlich vor uns - auch, weil dort mehr Studenten an Fachhochschulen studieren. Das streben wir auch an. Wir wollen weg von der Massen-Uni, hin zu einer vernünftigen Betreuungsquote.
Wie?
Pinkwart: Durch die Gründung und den Ausbau von Fachhochschulen. Nach 2016 gehen die die Studentenzahlen an den Universitäten schrittweise zurück. Wenn wir dann die Finanzmittel konstant halten, kommt ein weiterer Qualitätsschub.
Wird die FDP nach der Wahl die Grenze für Studiengebühren über die derzeit erlaubten 500 Euro erhöhen?
Pinkwart: Nein, die Höhe ist völlig ausreichend. Abgesehen davon: Die Hochschulen werden aufatmen, wenn die nächste Landesregierung die Fortsetzung der Studienbeiträge sicherstellt. Wo Beiträge erhoben werden, hat sich die Qualität der Lehre deutlich erhöht.









